Über Klarträume und wie wir sie einleiten können

Über Klarträume und wie wir sie einleiten können

Was sind Klarträume?

Ein Traum wird zum Klartraum, wenn wir im Traum erkennen, dass wir träumen.

Im Klartraum steigt die Klarheit, und die Sinneswahrnehmungen können hyper-realistisch werden: Farben wirken intensiver, der räumliche Tiefeneffekt stärker, und auch Geschmack, Berührung oder Geruch können deutlicher sein als im Alltag.

Eine ganze Welt voller Möglichkeiten öffnet sich:

  • Du kannst durch deine Traumwelt fliegen.
  • Den Traum mit Gedankenkraft verändern und die Szene wechseln.
  • Alte Bekannte wiedersehen.
  • Bildern nachgehen, die sonst nur im Traum auftauchen.
  • Im Traum meditieren und schauen, wohin das führt.

Dass es Klarträume gibt, musst du niemandem glauben — das ist gut dokumentiert und im Schlaflabor nachgewiesen. Ob du selbst einen erlebst, findest du am ehesten durch Üben heraus.

Klarträume sind am spirituellen Weg nicht essenziell

Vorweg: Klarträume können ein interessantes Werkzeug sein — sie können dich aber genauso gut vom Weg abbringen.

Der Weg der Spiritualität ist für mich der Weg des inneren Friedens, und der dreht sich nicht um das Erreichen besonderer Erfahrungen. Wer anfängt, Zustände zu sammeln, hat das Sammeln geübt und nicht den Frieden.

Dazu kommt: Beim Üben kann mehr Energie draufgehen, als dabei herauskommt. Der Schlaf ist keine unbegrenzte Ressource.

Trotzdem sind Klarträume spannend, und sie können einiges darüber zeigen, wie unser Erleben gebaut ist.

Techniken, um Klarträume einzuleiten

Mein erster Tipp: Deine innere Einstellung sollte eine Mischung sein aus dem echten Wunsch, einen Klartraum zu erleben, und dem vollständigen Loslassen jeder Erwartung und aller Ängste. Sei beständig — beim ersten Mal kann es mehrere Monate dauern.

SSILD (Senses Initiated Lucid Dream)

SSILD ist eine moderne, einfache Technik. Leg dich ins Bett, entspanne dich, setze die Absicht, einen Klartraum zu erleben. Am besten funktioniert sie zusammen mit WBTB (siehe unten).

Der stetige Wechsel der Aufmerksamkeit zwischen Seh-, Hör- und Berührungssinn stimmt die Sinne auf die Traumwelt ein. Entscheidend ist, was danach kommt: einschlafen, so schnell es geht. Nicht wach bleiben, nicht auf etwas warten, nichts erwarten. CosmicIron, von dem die Technik stammt, nennt das Wachbleiben-Wollen ausdrücklich den häufigsten Anfängerfehler — die Klarheit kommt meist später in der Nacht, oft nach einem kurzen Aufwachen.

Der SSILD-Zyklus:

  • Sehsinn: Nimm wahr, was du mit geschlossenen Augen siehst, ohne die Augen anzuspannen.
  • Hörsinn: Wechsle zum Hören. Was nimmst du wahr?
  • Berührungssinn: Wechsle zum Fühlen. Was spürst du?

Wiederhole den Zyklus etwa sechsmal schnell, jeweils nur ein paar Sekunden pro Sinn.

Dann wiederhole ihn etwa viermal langsam, mit mindestens 30 Sekunden pro Sinn.

Bleib dabei ohne Erwartungshaltung — die würde dich vom möglichen Erlebnis eher ablenken.

Mit SSILD in Kombination mit WBTB habe ich meine ersten Erfahrungen gemacht. Die Technik wurde 2011 von CosmicIron entwickelt und zuerst in einem chinesischen Forum veröffentlicht; das offizielle englische Tutorial findest du auf Reddit.

WBTB (Wake Back to Bed)

WBTB ist eine der wirksamsten Methoden. Du schläfst etwa vier bis fünf Stunden, stehst dann auf und beschäftigst dich ungefähr eine Stunde: spazieren gehen, lesen, meditieren, ins Traumtagebuch schauen, Zähne putzen. Danach legst du dich wieder hin und nutzt deine Klartraum-Technik, etwa SSILD.

Intention setzen

Wir brauchen eine starke Absicht, wenn wir einen Klartraum erleben wollen. Diese Absicht sollte aber frei von Erwartung und Anhaftung sein. Nutze dafür Affirmationen, die du dir selbst zusammenstellst.

WILD (Wake Initiated Lucid Dream)

Ein WILD ist ein Klartraum, den du direkt aus dem Wachzustand betrittst. Du entspannst dich und erlaubst deinem Körper einzuschlafen, während du selbst wach bleibst. Wenn erste Traumbilder auftauchen, formst du sie zu einem Traum und trittst hinein.

Anders als bei SSILD bleibst du hier bewusst wach — und genau deshalb ein Hinweis: Auf dem Weg hinein können Schlafparalyse und intensive, manchmal beängstigende Bilder und Geräusche auftreten. Das ist ungefährlich und geht von selbst vorbei, kann aber im Moment erschreckend sein. Wer dazu neigt, sich davon aus der Ruhe bringen zu lassen, bleibt besser bei SSILD.

Klarträume steuern

Du hast deinen Klartraum betreten — Gratulation. Was jetzt?

Den Klartraum stabilisieren

Wenn du dich zu sehr aufregst, wird der Traum schwammig und bricht zusammen, bis du aufwachst. Beruhige dich deshalb immer wieder.

Wieder hineinfinden, wenn du aufwachst

Wachst du überraschend auf, kannst du dich beruhigen, die SSILD-Technik nutzen und wieder einschlafen. Die Chance ist gut, dass du erneut im Klartraum landest.

Sich teleportieren

Nutze einen Übergang zusammen mit einem Wunsch, um den Ort zu wechseln. Zum Beispiel: „Wenn ich die Augen schließe und wieder öffne, bin ich am Mond.“ Dann schließt du die Augen — und manchmal klappt es. Genauso gut kannst du eine Tür oder einen anderen Übergang benutzen.

Im Traum meditieren

Halte im Klartraum inne und meditiere. Finde Ruhe, und schau, was dann geschieht.